Tradition gegen Kommerz

Von Leonie Brungs

Viele angeregte Gespräche gegen viertel vor elf. Es ist voll und die Mitarbeiter gestresst. „Do häs ät widder kein Zigg!“, sagt eine Kundin zu der vorbeigehenden Barista. Leise Hintergrundmusik der 80er wird gespielt. Gelächter aus der „Hexenküche“, wie es auf dem knallig orangenen Schild über dem Türrahmen steht. Das warme Licht der kleinen Tischlampen wird von dem hellen, kalten LED Baum am Tresen gestört. Bilder sind auf dem Tresen selbst zu erkennen. Ein Coca-Cola Schild, eine schwarz-weiß Aufnahme von James Dean. Sie stehen zum Verkauf. Viele weitere, bunte, kleine Bilder und Blechtafeln hängen im Raum verteilt. Eine der vielen Uhren an der Wand schlägt 3 Uhr. Der Geruch von frisch gemaltem Kaffee liegt der Luft, bevor er von der kühlen Luft von draußen vertrieben wird.  Und erneut läuft eine Mitarbeiterin mit belegten Brötchen dabei.

Smaro Glass arbeitet nun seit 35 Jahren im Café Chocolate. Sie trägt ihre Haare hochgesteckt, ihre schwarze Brille nach oben geschoben, das grüne Oberteil sticht heraus. Nach einiger Zeit stand das Café kurz vor dem Aus. Daraufhin beschloss sie dann, es vollständig zu übernehmen. „Ich liebe es!“ sagt Smaro über ihre Arbeit und lächelt. Besonders die weitere Funktion als Trödel- und Antiquitäten sticht heraus. Man kann Tische und Stühle kaufen.

Der Fokus liegt aber auf der Gastronomie. Alle Speisen sind hausgemacht. „Zwar bieten wir noch nichts Veganes an, aber ab Sommer wird es auch veganes Eis und ähnliches geben.“ Als Ausgleich wird viel für Allergiker angeboten. „Vielleicht ist es auch ganz gut zu erwähnen, dass wir nicht mit Geschmacksverstärkern arbeiten, bis auf eine Suppe.“, fügt sie hinzu und fängt an zu lachen.

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Im Café kommt der Kölner Flair durch, heißt – wer sich nicht kennt, lernt sich kennen. Menschen, die sich bisher nur vom Sehen kannten, kommen langsam oder auch mal etwas schneller ins Gespräch. Eine ältere Dame steht auf und geht zum nächsten Tisch. „Küss do uch doher, wo der Millowitsch herkütt?“, fragt sie einen Herrn am Tisch neben ihr. Danach kommt ein engagiertes Gespräch in den Gang. Den Namen konnte sie aber nicht erfahren. „Is datt der Pitter?“ „Ja, dat is der Pitter“, antwortet der Begleiter.

Die Beziehung zu den Kunden ist eng, die vertraute Atomsphäre zwischen Kunden und Barista wird deutlich „Soll ich es dir aufschreiben?“, fragt Smaro eine ältere Kundin, die zuvor nach den Tagesspeisen des Hauses fragte. Auf die Stammkunden ist Verlass aber das Café lebt auch ganz besonders von Laufkundschaft. Dafür ist der Standort in der Kölner Innenstadt perfekt. Es ist nichts von der Hektik der Innenstadt zu merken.

Trotz großer Konkurrenz von größeren Cafés in der Kölner Fußgängerzone hat Smaro es geschafft, sich durchzusetzen. „Natürlich ist es schwer, besonders in der Innenstadt.“, antwortet sie mit leicht gerunzelter Stirn. Im näheren Umkreis sind mindestens acht weitere Cafés. Durch die Bindung an Kunden fällt es vielen sehr leicht, den Weg zurück ins Café Chocolate zu finden. Mithilfe der kleinen Räumlichkeiten, die Beziehung zwischen Kunden und Mitarbeitern und die Beziehung zwischen den Kunden selber schaffen Smaro und ihr Team, eine bestimmte Art der Familiarität auszustrahlen.

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