Mainstream Köln? Typisch untypisch Kölsch

Von Maik Treder

Karneval, was Anne-Christine nicht zur gewohnten Kölnerin macht (so zumindest denkt man), gefällt ihr überhaupt nicht. „Mühl Kölsch“ liebt sie. „Kölsch“ versteht sie nicht. Das macht sie zu einem typisch untypischen Kölner Original.

Die Kölner Uferpromenade scheint wie leergefegt an diesem Donnerstagnachmittag, nur hier und da sitzen einzelne Jugendliche. So auch Anne-Christine, die sich nach der vergangenen Klausurphase eine wohlverdiente Pause gönnt. Vertieft in das Buch, welches ihre Oma ihr schenkte, sitzt sie dort – den Wind in den Haaren, ihr Kopf geschützt durch die wollige Strickmütze, gewöhnliche Chucks hat sie an und darunter graue Overknees, damit sie nicht friert. Der Rucksack und ihr geliebtes Longboard liegen auch neben ihr. Eine Persönlichkeit wie jede andere? Nein, keineswegs.

Ursprünglich stammt die 20-jährige Studentin aus Wuppertal, doch seit ihrem Studium lebt und liebt sie (in) Köln. Eineinhalb Jahre schon studiert Anne Sozialarbeit und ist zufrieden mit dieser Studienwahl. Sie ist der Ansicht, dass die soziale Arbeit notwendig für die Gesellschaft ist. Die Betriebswirtschaftslehre wäre kein Studiengang, den sie in Erwägung ziehen würde, ihr liegt eher der praktische und soziale Umgang mit den Menschen. „BWL wäre mir daher zu theoretisch und sehr menschenfremd“, erklärt sie.  „Nur allzu oft entscheiden sich Jugendliche für Studiengänge für welche sie eigentlich gar kein Interesse aufbringen können.“ Ihr Blick, auf die Ferne des Rheins gerichtet, wirkt fast schon etwas besorgt. Es sei der innere Trieb sich anpassen zu wollen, der breiten Masse zu folgen, nur um letztendlich im Gedränge des Völkerstroms zu verschwinden, erklärt Anne überzeugt. Welches Ziel hat ein jeder von uns? Sollte es wirklich oberste Priorität sein anderen zu gefallen oder einfach so zu sein wie man ist – ganz egal ob das die Berufswahl, den Lebensstil oder die eigene Charakterentwicklung an sich betrifft.

Anne denkt, dass der Trend heutzutage darin liegt, sich vom Mainstream zu distanzieren, dies bewirke jedoch das genaue Gegenteil. Dadurch verfalle man nämlich leicht dem Klischee der Anpassung. „Anpassung? Das entspricht so gar nicht meinem Lebensmotto!“, sagt sie mit fester Stimme und einem herzlichen Lächeln auf den Lippen, ganz so als wenn es selbstverständlich wäre. Jeder sollte seine eigene Persönlichkeit entwickeln und exakt diese Diversität und Vielfalt biete Köln, meint sie stolz und schaut umher. Man solle die Persönlichkeit nicht unbedingt im Style suchen, sondern in den wahrhaftigen Charakterzügen einer Person. „Köln ist ein Ort für vollkommene Kreativität, was man in den typisch kölschen Straßen beobachten kann. Straßenmusikanten, Künstler und vieles mehr“, erzählt Anne verträumt, den Blick wieder auf den Fluss gerichtet. Mit seiner Individualität ist diese Stadt ein Reiseziel für sich.

„Anders sein ist schön und Köln inspiriert einen dazu andere Sachen auszuprobieren.“

So kam die junge Studentin auch zu ihrer jetzt heiß begehrten Leidenschaft, dem Longboardfahren. Eine kölsche Freundin hat sie damals dazu angeregt aufs Bord zu steigen und seitdem ist sie selten ohne unterwegs. Am liebsten braust sie über die Kölner Südbrücke, ihrem bevorzugten Rückzugsort. Denn häufig verliert sie den Überblick in den Menschenmengen der Großstadt. Wenn sie nicht gerade Bücher liest oder sich mit ihren Freunden trifft, reist sie gerne.

„Namibia!“, antwortet sie jetzt voller Lebensfreude auf die Frage, welches denn ihr letztes großes Reiseziel war. Dort hat sie ein freiwilliges soziales Jahr geleistet und einen Überschuss an erstaunlichen Eindrücken gesammelt. Das Leben dort sei überhaupt nicht vergleichbar mit diesem hier, meint sie kopfschüttelnd. Um eine fremde Kultur zu verstehen muss man sich zunächst mit den Sitten, Tugenden und Menschen vertraut machen. Erst dann ist man in der Lage dort wirklich leben zu können. In Köln sei das beispielsweise etwas anders.

„Es ist eine tolerante und offenherzige Stadt, die Ausländer durchaus willkommen heißt“, sagt Anne. Trotzdem will sie nicht für immer in NWR bleiben. Ihr anzustrebendes Ziel ist es nach einem erfolgreichen Studium in den Süden Deutschlands zu fahren und in Freiburg zu leben. Eben Kölsch!

 

 

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