„Man muss viel machen“ – Vom Ankommen in Köln

Von Anna Heßelmann

„Ihr habt gerade gesehen, was passiert wenn…“, beginnt Fadi und läuft locker über die Domplatte, bevor er stehenbleibt, lächelnd den Kopf schüttelt und dem Kameramann Norbert ein Zeichen gibt, die Einstellung erneut zu drehen. Rechts neben den beiden brüllt eine Frau um Spenden, im Hintergrund läuft eine asiatische Familie mit ihren Digitalkameras vorbei und etliche weitere Touristen tummeln sich vor dem Dom. Der Schatten der umliegenden Häuser wirft sich auf den Boden nieder. Der frische, nahezu eisige Wind prescht Fadi ins Gesicht, seine dichten rotbraunen Locken wirbeln hoch. Trotzdem stimmt der junge Mann ein Gelächter an und scherzt, auch wenn die Einstellung nun zum mittlerweile vierten Mal gedreht werden muss. So läuft Fadi immer wieder mit Norbert auf der Domplatte hin und her und bespricht anschließend, was als nächstes in den Kasten kommt. Das Superheldenlogo auf seinem Shirt strahlt mit dem blauen Himmel um die Wette und Fadi lacht mit.

Wenn Fadi einmal nicht laut lacht oder erzählt, dreht er sich um, läuft umher oder wechselt schaukelnd von einem Bein auf das andere. Fadi ist Flüchtling, lebt seit zwei Jahren in Deutschland, ist mit 19 Jahren aus Syrien geflohen. In Aleppo habe er durch den Bürgerkrieg alles verloren, Freunde, Familie und Arbeit. So floh Fadi Ende 2015 über den Libanon in die Türkei, kam dann in einem der Flüchtlingsboote nach Griechenland und schließlich über die Balkanroute nach Deutschland. Über diesen Teil der Flucht redet er nur kurz, wechselt schnell zu seinen Erfahrungen in Deutschland. So landete er zunächst in München, kam dann nach Paderborn, Unna, in die Nähe von Iserlohn und schließlich in Köln. Er scherzt ständig während er erzählt, auch wenn die Geschichte seiner Flucht – so wie die von vielen andern Flüchtlingen aus Bürgerkriegsländern- ganz und gar nicht lustig ist.

Norbert und Fadi drehen für das Projekt „WDR for you“, ein Angebot auf Facebook speziell für Flüchtlinge. Seit drei Jahren werden dort verschiedenste Themenbereiche, die Flüchtlinge interessieren, aber auch deren Sorgen und Probleme behandelt und dringende Fragen beantwortet. Auf Englisch, Persisch, Arabisch und auch auf Deutsch. Fadi und die anderen Sprecher und Reporter seien so etwas wie Identifikationsfiguren geworden, sagt Norbert. „Wir reden über ein Thema- aber komisch“, sagt Fadi und lacht, wie fast immer. Sein Lachen ist herzlich, einladend und ansteckend. Jedes noch so ernste Thema verpackt Fadi mit einem Lachen. Diese lockere Art brachte ihn zu diesem Format. Fadi berichtet, er habe schon früher gerne lustige Videos gedreht. Ein Freund, der beim WDR arbeite, sei darauf aufmerksam geworden und habe ihn zu „WDR for you“ vermittelt. Das Format soll Flüchtlingen den Start in Deutschland erleichtern.

„Man muss viel machen. Auch oft umziehen“, beginnt er und erzählt, dass es in München mit der Arbeit nicht geklappt habe, in Köln dafür aber sofort, zu Beginn sogar auf Englisch, jetzt natürlich auf Deutsch. Fadi arbeitet als Schwimmlehrer, spielt in seiner Freizeit Wasserball. Fremdenfeindliche Aktionen gegen sich habe er in Deutschland nie erlebt. Gerade die Kölner seien offen. „In Köln ist alles anders als in München. Die Leute sind sehr nett zu mir“, sagt Fadi und lächelt. Er schätze die freundliche und lockere Art der Kölner, das einfache Gespräch und das Gefühl, schnell in die Gemeinschaft aufgenommen zu werden. Fadi wirkt angekommen, gefestigt, wie ein erwartungsvoller junger Mann in seinem Alter. Er erzählt von seinen neuen Freunden, seiner neuen Zukunft und lächelt versonnen.

Er fühle sich jetzt hier sehr wohl, habe neue Freunde, eine neue Arbeit, eine neue Sprache, sagt Fadi, er wolle das hier nicht mehr verlieren. Dann verabschiedet er sich- natürlich- herzlich lachend und der rotbraune Lockenkopf verschwimmt in den Menschenmassen auf der Domplatte. Sein Lachen ist dabei noch immer zu hören.

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