The Block Cop

Von Konrad Klitzing

„Wusstest du, dass im Kiosk ein Bild von dir hängt“ – „Ja beim Ali aber das ist schon alt“

Polizeihauptkommissar Burkhard Jahn hält einen Fahrradfahrer an: „Hier ist der Sportplatz vorbei, Frauen müssen Röcke tragen und Kinder an die Hand nehmen“, sagt er und zeigt auf das Fußgängerzonenschild. Er widmet sich wieder seinem Gesprächspartner, einem breit gebauten Mann Mitte Zwanzig, der die Haare seines Undercuts zu einem kleinen Zopf zusammengebunden hat. Er erzählt Jahn von seiner neuen Stelle als Sicherheitsmann in einem Kaufhaus, er freut sich darüber, dass er in Zivil arbeiten darf, aber bedauert dass er sich jetzt oft ungesund ernährt. Er verabschiedet sich mit Handschlag und geht seines Weges.

Jahn ist ein freundlicher Mitfünfziger, schwarze Brille mit Drahtgestell. Er ist schon seit 1977 Polizist, als er direkt nach dem Abitur das Elternhaus verlässt, aber nicht studieren und kein Lehrer werden will. Damals gab es 800 Mark im Monat. Nach 40 Dienstjahren hat er vom Innenminister Nordrhein Westfalens eine Medaille für treue Dienste bekommen.

Rechts am Gürtel des Polizisten hängt ein großer weißer Kabelbinder, unterhalb der schwarzen Lederhandschuhe, dort wo normalerweise der Teleskopschlagstock ist. Die Kabelbinder, von denen er noch zwei weitere in seiner Polizeimütze hat, sind für ihn Allzweckwerkzeuge, zum Befestigen von Satteltaschen, Sichern von Zäunen, aber auch zum Offenhalten von Türen während Einsätzen und zum Festnehmen von mehreren Verdächtigen.

Jahn selbst nimmt aber selten Verdächtige fest, das ist die Aufgabe der jüngeren Kollegen. Er nimmt Kontakt mit den sozial Schwachen auf, arbeitet mit Sozialarbeitern zusammen, deren Verhältnis zur Polizei sich auch verbessert hat. Man kennt ihn, auf der Fussgängerzone wird er begrüßt. Er hält immer wieder Fahrradfahrer an und belehrt sie darüber, das die kleine Gasse, an der er alleine steht, eine Fußgängerzone ist, allerdings ohne eine Verwarnung zu schreiben.

Er kommt ursprünglich aus Westfalen, der Job macht ihm viel Spaß. Er überlegt aber, ob er in Frührente geht oder weitermacht. Von der Suppenküche links neben der Gasse schallen die Geräusche des geschäftigen Treibens herüber. Viele Menschen stehen in einer großen Schlange, die Stimmung ist gut. Er berichtet aber auch von der Aggressivität der Obdachlosenszene, dass oft nur ein Funken reicht, um einen Konflikt auszulösen, dass er aber immer probiert zu vermitteln, damit so etwas nicht passiert und die Polizei einschreiten muss.

Die Bundespolizisten am Kölner Hauptbahnhof tragen ihre schusssicheren Westen nach Außen, haben einen Knopf im Ohr, und stützen ihre Hände im Brustbereich der Weste oder haben sie wie Cowboys am Gürtel. Jahn an der Kölner Domplatte trägt über der normalen Uniformjacke locker eine neongelbe Warnweste mit der Aufschrift „Polizei“ während er seine Hände in den Bauchtaschen der Jacke hat. Auf seinen Schulterklappen sind vier silberne Sterne, er hat den zweithöchsten Rang abgesehen von der Polizeiführung. Sein Funkgerät steckt in der rechten Brusttasche, an der Linken hat er ein Namensschild.

Jahns Blick ist freundlich aber seine Stirn legt sich in Falten. In der Silvesternacht 2015 hatte er Spätdienst, keinen Nachtdienst. Sie war trotzdem ein tiefer Einschnitt und er findet es traurig, dass die nötigen Diskussionen über Videoüberwachung, die Balance zwischen Freiheit und Sicherheit und die möglichen negativen Folgen von Zuwanderung erst geführt wurden nachdem es so viele Opfer gab. Im Untersuchungsausschuss ist er als Zeuge aufgetreten

Taschendiebstähle sind nach wie vor ein großes Problem, sie würden oft, wie er sie nennt, von „Söhnen der Wüste“ begangen. Er meint, dass der Umgang innerhalb der Gesellschaft insgesamt schon respektloser und ruppiger, oder wie er es nennt „unerzogener“ geworden sei. Allerdings habe sich auch das Anzeigeverhalten verändert, viele Straftaten werden heute angezeigt bei denen das früher nich nicht der Fall war. Die Polizei rückt auch zu deutlich mehr Einsätzen aus als vorher.

Der Job hat sich aber auch durch die größere Medienaufmerksamkeit gewandelt, früher haben sich die Medien kaum für die Polizei interessiert, heute hat der Pressebereich der Polizei 12 Mitglieder. Jahn selbst ist auch nicht medienunerfahren, 2017 war er Teil einer WDR Reportage über den Kölner Dom, da die Domplatte sein Revier ist. Ein Mann mit einer Stofftasche läuft vorbei, Jahn winkt.

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